Stille
Stell dir einen Mahner zur Seite.
Wie die Inder, die glauben, dass man ohne einen spirituellen Lehrer keine Erlösung finden könne, so war auch Seneca der Auffassung, dass es schwierig, wenn nicht unmöglich sei, ohne einen guten Lehrer und ein gutes Vorbild den rechten Weg zu finden. Dabei ist es gleichgültig, ob diese Person noch am Leben ist oder wir nur noch ihre Lehren und das geschichtliche Bild ihres Lebens besitzen:
„Wenn wir also mitten in den uns umschwirrenden Lärm der Städte versetzt sind, so tut es not, dass ein Mahner uns zur Seite steht, der gegen die Lobredner überwältigenden Reichtums seine Stimme erhebt zum Preise dessen, der mit Wenigem reich ist und seinen Besitz nach seinem Bedürfnis bemisst. Gegen jene, welche Einfluss und Macht erheben, sei er ein begeisterter Anwalt einer den Wissenschaften gewidmeten Muße und von einer Seelenstimmung, die sich von allem Äußeren abgekehrt und ganz in das eigene Innere versenkt hat.“
Die Abkehr von Äußerem und die Versenkung ins eigene Innere ist ein mentaler Vorgang der inneren Befreiung. Die äußeren Verhältnisse brauchen sich dafür nicht zu ändern. Das Zitat belegt, was ein zeitgenössischer Philosoph über Seneca sagte: Er sei ein eminent „moderner Philosoph“. Wen wundert es. Rom war damals eine Millionenstadt und die Weltmetropole schlechthin, durchaus vergleichbar mit unseren heutigen Großstädten. Zahlreiche Phänomene unseres heutigen Lebens finden wir in den Strukturen und Verhältnissen des alten Roms wieder, lediglich in einer anderen äußeren Erscheinungsform. So sehr sich die Welt auch im Hinblick auf die technischen Möglichkeiten weiterentwickelt hat, so wenig hat sich etwas an dem geistig-emotionalen Leben der Menschen, an ihren Wünschen, Sehnsüchten, persönlichen Problemen und Herausforderungen geändert. Deshalb hat das antike Weisheitswissen nichts an Aktualität verloren.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.