Seneca
Das Schicksal hat keine langen Arme, wie viele glauben; es überwältigt keinen, der sich nicht an es anklammert.
Das letzte Ziel der praktischen Philosophie Senecas war das nachhaltige Glück einer ausgeglichenen Seele, die in sich selbst ruht. Die Seelenverfassung soll so stark und gefestigt sein, dass das Verhalten anderer oder das äußere Geschehen sie weder erschüttern noch ernsthaft gefährden kann. Das ist die berühmte „Unerschütterlichkeit des Weisen“ der Stoiker. Sie ist keine Gefühlskälte oder emotionale Verhärtung, sondern die Fähigkeit, immer wieder und in angemessener Zeit zu einer Grundstimmung heiterer Gelassenheit zurückzufinden (modern gesprochen: Resilienz). Was auch passiert, man bleibt stets bei sich in seiner Mitte, ruhig, besonnen und gelassen. Seneca:
„Die Philosophie muss unsere Schutzwehr bilden, diese uneinnehmbare Mauer, die durch das Schicksal nicht überwältigt wird trotz aller kunstvollen Angriffsmittel. Jedem Ansturm gewachsen ist die Seele, die auf alles Äußere verzichtet hat und in ihrer Burg sich zur Wehr setzt. Kein Geschoss kann bis zu ihrer Höhe dringen. Das Schicksal hat keine langen Arme, wie viele glauben; es überwältigt keinen, der sich nicht an es anklammert.“
Was uns angreifbar macht, ist das Anklammern an äußeren Dingen und Verhältnissen, das Verhaftetsein, ein unbedingtes Wollen, ein verbissenes Streben nach äußeren Gütern. Was uns unangreifbar macht, ist die Fähigkeit, loslassen zu können. „Auf alles Äußere verzichten“ meint den Prozess der Loslösung, kein Armutsgelübde, sondern Erlangung innerer Unabhängigkeit. Man freut sich an dem, was man besitzt, an den Freunden, dem gesellschaftlichen Status, an der beruflichen Position, aber man hängt nicht daran. Die wichtigsten Werte liegen in einem selbst und sind immaterieller Natur.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.