Kultur
Seitdem Gelehrte aufgetreten sind, ist einfache und offenherzige Aufrichtigkeit verschwunden.
Seneca schreibt an seinen Freund Lucilius:
„Die Weisheit der Altvordern, sagt man, beschränke sich auf Vorschriften über das, was man zu tun und zu lassen habe, und damals waren die Menschen weit besser: seitdem Gelehrte aufgetreten sind, ist die Bravheit verschwunden. Denn jene einfache und offenherzige Tugend hat sich in eine dunkle künstliche Wissenschaft verkehrt, und wir lernen disputieren, nicht aber leben.“
Ob die Menschen irgendwann einmal besser waren, mag dahinstehen. Dass Kultur immer auch Zivilisationskrankheiten hervorrufen kann, lehrt die Geschichte. Dass die Weisheit der Antike teilweise in Vergessenheit geraten ist, ist gewiss. Schließlich: dass wir in der Schule, an der Universität und anderswo vieles lernen, aber nicht, gut zu leben, das ist traurig. Die Kritik Senecas richtet sich gegen eine Wissensanhäufung und -vermittlung, die das Leben, seine Grundlagen und Werte aus den Augen verloren hat und nicht mehr vornehmlich dem guten, gelingenden Leben dient. Noch nie gab es eine solche Fülle an Wissen wie heute. Aber es ist auch mit Hilfe dieses Wissens, dass wir die Natur an vielen Stellen rücksichtslos ausbeuten und damit unsere Lebensgrundlagen ernsthaft gefährden.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.