Kultur
Da fingen die Leute an zu rennen und zu stolpern in ihrer Sucht nach Erkenntnis.
Der chinesische Philosoph Zhuangzi schreibt: Als die „Heiligen“ kamen und Umgangsformen und Musik zurechtzimmerten, um das Benehmen der Welt zu regeln, und den Menschen ihre Moralvorschriften aufdrängten,
„da erst fingen die Leute an zu rennen und zu stolpern in ihrer Sucht nach Erkenntnis und begannen sich zu streiten in der Jagd nach Gewinn, bis kein Halten mehr war. Das alles ist die Schuld der »Heiligen«.“
Die Menschen wurden aus dem Paradies vertrieben, als sie vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse aßen. Mit dieser Erkenntnis verloren sie ihre Unschuld. Es kam die Moral auf. Nach der kulturkritischen Auffassung Zhuangzis vertiefen Moralvorschriften den Abstand zwischen dem „zivilisierten“ Menschen und einer natürlichen Lebensweise. Das hier anklingende „zurück zur Natur“ oder „zurück zum Ursprung“ ist zweischneidig. Bildung ist gut und wichtig, darf aber nicht zur Verbildung, Verkopfung oder zur ausschließlichen Herrschaft eines funktionalen Rationalismus werden. Auswüchse davon gefährden unsere natürlichen Lebensgrundlagen, wie die Gegenwart zeigt. Für unsere Lebensführung könnte die Schlussfolgerung aus Zhuangzi sein, so etwas wie unser Gewissen zu pflegen, auf unser Innerstes und Eigenstes zu hören, herrschende Moralvorschriften kritisch zu hinterfragen und falschen Einflüssen von außen zu widerstehen, mögen sie auch von einer Mehrheit ausgehen.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.