Yin und Yang
Indem alle Dinge einander die Waage halten gedeiht alles.
Hätten die alten Chinesen folgende Ausführungen des griechischen Philosophen Poseidonios gekannt, sie hätten gewiss geglaubt, er spreche von Yin und Yang. Tatsächlich dürfte er von Yin und Yang nie etwas gehört haben. Die darin enthaltene Weisheit war ihm jedoch vertraut:
„So hat sie [die Natur] auch die ursprüngliche Einheitlichkeit durch Verknüpfung der Gegensätze erreicht, nicht etwa des Gleichartigen [...]. Und eben dies meint auch Heraklit, der Dunkle, wenn er sagt: ‚Verbindungen gehen ein: Ganzes und Nichtganzes, Übereinstimmendes und Verschiedenes, Akkorde und Dissonanzen; und aus Allem wird Eines und aus Einem Alles.’ So hat auch den Bau des Alls, des Himmels und der Erde und der gesamten Welt eine einheitliche Harmonie durch Vermischung der entgegengesetzten Elemente in Ordnung gebracht [...]. Von den einzelnen Dingen sind die einen im Entstehen begriffen, andere stehen in der Blüte ihres Daseins, wieder andere gehen zugrunde: das Entstehen ruft das Vergehen hervor, das Vergehen ermöglicht das Entstehen. Indem alle Dinge einander die Waage halten und jedes bald die Oberhand hat, bald unterliegt, kommt schließlich die einheitliche Wohlfahrt zustande, welche das All unvergänglich in Ewigkeit erhält.“
Wer gut leben will, sollte sich bemühen, das Geschehen in der äußeren Welt zu verstehen, denn es ist dasselbe Leben, das unaufhörlich in seinem Innern pulsiert. So lernt er seine eigene Natur verstehen und kann besser mit sich umgehen.
____________________________________________________
Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.