Thich Nhat Hanh
Es ist wichtig, jede Geistesformation, die in Erscheinung tritt, bewusst wahrzunehmen. Ist sie heilsam, so wird Achtsamkeit sie stärken. Ist sie unheilsam, so wird Achtsamkeit sie dazu bringen, sich wieder ins Speicherbewusstsein zurückzuziehen und dort zu ruhen.
Mit dem Wort „Speicherbewusstsein“ weist Thich Nhat Hanh darauf hin, dass die Muster oder neuronale Verschaltungen in unserem Gehirn, die in bestimmten Situationen aktiviert werden und dann i. d. R. die gleichen Reaktionen und Gefühle auslösen, nicht „gelöscht“ werden, sondern mit einem anderen Muster, das andere Reaktionen und Gefühle auslöst, „überschrieben“ werden können. Dann verlieren sie ihre Wirkung und verbleiben inaktiv im „Speicherbewusstsein“. Zu den „Geistesformationen“ schreibt Thich Nhat Hanh unmittelbar vor dem einleitenden Zitat:
„In unserem Bewusstsein gibt es zahlreiche positive Aspekte, wie Vertrauen, Bescheidenheit, Selbstachtung, Abwesenheit von Gier, Aversion und Verblendung, sowie Tatkraft, Geistesruhe (Stille des Geistes), Wachheit, Gleichmut und Gewaltlosigkeit. Unheilsame Geistesformationen dagegen sind wie vollkommen miteinander verhedderte Schnüre. Versuchen wir, sie zu entwirren, so fangen wir uns selber darin, bis wir uns nicht mehr bewegen können. Diese negativen Geistesformationen könnten auch 'Plagen' oder 'quälende Geisteszustände' (klesha) genannt werden, weil sie uns und anderen Schmerzen bereiten. Gelegentlich bezeichnet man sie auch als […] 'Verdunkelungen', denn sie trüben und verwirren unseren Geist und führen uns vom Pfad weg. […] Die grundlegenden unheilsamen Geistesformationen oder psychischen Formkräfte sind: Anhaften, Ablehnen, Unwissenheit, Stolz, Zweifelsucht und [falsche] Ansichten. Die sekundären, die aus den primären erwachsen, sind: Ärger, Gehässigkeit, Heuchelei, Böswilligkeit, Neid, Selbstsucht, Betrug, Heimtücke, Aufgeregtheit, der Wunsch zu verletzen, Unbescheidenheit, Hochmuth, geistige Trägheit, geistige Unruhe, Mangel an Vertrauen, Trägheit, Nachlässigkeit, Achtlosigkeit, Zerstreutheit und Oberflächlichkeit.“
Thich Nhat Hanh geht es darum, seelisches Leid zu erkennen und zu vermindern, die Freude am Leben aber zu erhöhen.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.