Schweigen
Viele Worte meist in nichts verrinnen; weit besser, man bewahrt es innen.
Im Daodejing (Tao Te King) des Laotse heißt es:
„Was zwischen Himmel und Erde,
wie gleicht es dem Blasebalg!
Er ist leer und doch unerschöpflich;
er regt sich, und um so mehr geht heraus.
‚Viele Worte meist in nichts verrinnen;
Weit besser, man bewahrt es innen.’“
Nach den Vorstellungen der Chinesen ist der Raum zwischen Himmel und Erde der Ort, an dem das Leben entsteht und sich vollzieht und in dem der Mensch sich entfaltet. Das Bild des Blasebalgs verweist auf die elementare Lebenskraft des Hauchs, des Atems, der Luft (chin. Qi oder Ch’i). Die Entstehung und Aufrechterhaltung des Lebens hat für die Chinesen viel mit Leere zu tun (das wird später vom Zen-Buddhismus aufgenommen). Das Wort ist positiv besetzt und meint den offenen Raum, in dem der Prozess des sich ständig erneuernden, „unerschöpflichen“ Lebens stattfindet. Auf den Menschen übertragen bedeutet das: Wer aufgeschlossen, offen und lernbereit dem Leben gegenübertritt und nicht an unumstößlichen (Vor-)Urteilen festhält („leer“, d. h. frei von Urteilen ist), bleibt innerlich lebendig, macht neue Erfahrungen und entwickelt sich weiter. Die Zusammenhänge, die hier nur angedeutet werden, können nach Laotse nur intuitiv erfasst werden. Darüber reden ist sinnlos und birgt die Gefahr der begrifflichen Verdinglichung. Deshalb empfiehlt Laotse das Schweigen.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.