Besonnenheit
Besonnenheit ist die Fähigkeit, Ausgang und Folgen des eigenen Verhaltens zu berücksichtigen.
Bei dem spätantiken Philosophen Boethius lesen wir:
„Denn es genügt nicht, nur das, was vor Augen liegt, anzuschauen; die Klugheit ermisst den Ausgang der Dinge, und die gleiche Unbeständigkeit in beidem (Glück und Unglück) macht, dass die Drohungen des Geschickes nicht zu fürchten, seine Liebkosungen nicht wünschenswert sind. Schließlich musst du mit Gleichmut tragen, was im Bereich des Geschickes geschieht, wenn du einmal den Nacken unter sein Joch gelegt hast.“
Boethius weist auf einen Fehler hin, den wir häufig begehen und später bereuen: Wir schauen nur auf das Naheliegende und bedenken nicht die Folgen, die sich aus bestimmten Sachverhalten ergeben können. Wir „beugen den Nacken unter das Joch des Schicksals“, wenn wir uns abhängig machen von äußeren Dingen, indem wir ihnen zu großen Wert beimessen. Wir können jedoch unbesorgt das Joch des äußeren Schicksals auf uns nehmen, meint Boethius, solange wir die Fähigkeit bewahren, einen leidvollen Ausgang von vornherein für möglich zu halten, um ihn dann mit Gelassenheit zu ertragen, bei einem guten Ausgang aber nicht übermütig zu werden. Die Duldsamkeit nannten die Alten auch die „Kunst des Tragens“. Zur Erlangung dieser Fähigkeit empfiehlt Boethius Distanz zu unseren äußeren Zielen und Relativierung ihrer Bedeutung für unser Leben. Andernfalls hängen unser Glück und unsere innere Ruhe am seidenen Faden des Zufalls und dem Verhalten anderer Menschen.
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Nutzen Sie die täglichen "Worte der Weisheit", um fünf Minuten Atem und Geist zu beruhigen, still zu werden und sich auf das Wesentliche Ihres Lebens zu konzentrieren.